Emily

Es hat geschneit, der erste Schnee in diesen Jahr. Ich musste immer noch an Emily denken. Als es unerträglich wurde, beschloss ich in die kleine Kneipe um die Ecke zu gehen. Ich schlug die Haustür hinter mir zu und ein kalter Wind blies mir leicht ins Gesicht. Die Kneipe ist nur zwei Straßen entfernt und ich beschloss, nicht den Wagen zu nehmen. Fahles Laternenlicht warf lange Schatten und ich hatte ab der Hälfte des Weges das Gefühl, nicht mehr alleine zu sein. Es schneite heftiger. Ich beschleunigte meine Schritte. Nur zur Kneipe, nur zur Kneipe, dachte ich mir. Kurz vor der Kneipe hörte ich ein lautes Fauchen, ein großer schwarzer Kater landete vor meinen Füßen und fauchte mich an. War dies das Schreckgespenst, vor dem ich weggelaufen bin?
Aus der Kneipe kamen Stimmen und es roch nach Szegediner Gulasch. Ich ignorierte den Kater und betrat die Kneipe. Am Tresen war noch ein Platz frei, ich begrüßte den Wirt.
Er kannte mich, ich war schon öfters hier. Ich bestellte ein Pils. Es kam auch sofort, kurze Zeit später setzte sich ein anderer Gast neben mich. Ein Mann war es, mittleren Alters, gepflegtes Äußeres. Er hatte einen Anzug an, wie sie Vertreter tragen. Er begann mit mir zu plaudern. Zuerst über das Wetter, Fußball und irgendwann kamen wir zu den Thema Frauen. Ich erzählte ihm von Emily, von unseren gemeinsamen Plänen, von hier wegzuziehen aufs Land und dort eine kleine Familie zu gründen. Ich berichtete dem Kerl, wie ich Sie kennen gelernt hatte vor mehr als drei Jahren. Es tat gut, alles zu erzählen, sich den Kopf frei zureden.
Er war ein verdammt guter Zuhörer. Als ich fertig war, fragte er mich, ob er mir helfen darf, Emily zurück zu bekommen. Im ersten Moment lachte ich, aber als ich ihm in die Augen sah, wusste ich, dass er es ernst meint. Seine Augen glitzerten wie tausend Sterne in der Dunkelheit der Nacht. Das Einzige was er dafür haben will, sei ein Gefallen. Ich dachte mir nichts dabei und schlug in seine Hand ein, die mehr einer riesigen Pranke glich in dem Moment. Er verabschiedete sich von mir.
Am nächsten Morgen klingelte es an der Tür und Emily zog wieder bei mir ein, es war so, als ob nie etwas geschehen war. Wir verbrachten zwei Tage im Bett, her je… es war der Himmel auf Erden. Eines Tages kam der Mann vorbei, ich hatte ihn schon fast vergessen. Emily und ich waren auf das Land gezogen, hatten drei Kinder, einen Jungen und zwei Mädchen. Wir liebten uns immer noch wie zwei junge Teenager, den Kindern war dies immer peinlich, wenn ihre Eltern sich in der Öffentlichkeit küssten.
Ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit, als er mich vor meinen Wagen abfing, ich wusste nicht woher er meine Adresse hatte. Er war einfach da.. Er schaute mich an, und ich sah in seinen Augen das Schimmern von Sternenstaub. Er sagte mir mit ruhiger, sonorer Stimme, was ich tun sollte. Ich setzte mich in mein Auto und fuhr los. Folgte der Hauptstraße entlang der großen Allee. Überquerte die Stahlbrücke und fuhr in die Stadt. Vor dem Haus, was der Fremde mir beschrieben hatte, hielt ich an. Ich stieg aus und ging an die Haustür, klingelte zweimal. Die junge Frau, die er mir beschrieben hatte, öffnete die Tür, ich sagte, ich sei ihr neuer Versicherungsvertreter. Sie ließ mich hinein.
Die Frau verschwand um etwas zu trinken zu holen. Sie war sehr attraktiv, ich schätzte sie auf Mitte Dreißig, gut in Form. Wir plauderten etwas. Als sie mir den Rücken zukehrte, nahm ich aus der Aktentasche das Messer und stach es ihr tief in das Fleisch hinein. Ich zog es hinaus und stach noch einmal zu, zog es hinaus und noch einmal. Ihr Blut spritzte. Ich wusste gar nicht, dass so viel in einem Menschen drin sein kann. Die Frau begann, sich zu verändern. Die Leiche der Frau begann vor meine Augen zu altern, einfach so, bis vor mir eine alte ausgemergelte Frau lag.
Es klingelte an der Tür. Der Fremde in seinem Anzug stand vor der Tür, sagt nur, dass wir Quitt seien und ging hinein und schloss hinter sich die Tür ab. Ich stieg in das Auto und fuhr zu Emily und den Kindern. Doch Emily und die Kinder waren weg, es lag nur ein Zettel auf den Küchentisch auf dem stand, dass es aus wäre. Die sieben Jahre waren eine nette Zeit. Die Kinder nimmt sie mit, ich darf sie jedes zweite Wochenende besuchen. Seit jenem Tag suche ich den Fremden in dem Vertreteranzug und mit den Sternenaugen, denn nur er kann mir Emily wieder geben. Nur er…