Wechselbälger 1810

Zu Heßloch, bei Odernheim im Gau gelegen, hat sich’s zugetragen, dass die Köchin eines fremdländischen Freiherren wie seiner Ehefrau gelebt, nur dass er sich nicht durfte öffentlich einsegnen lassen. Sie zeugten ein Kind miteinander, aber das wollte nicht wachsen und zunehmen, sondern es schrie Tag und Nacht und verlangte immer zu essen. Dem leidlichen Vater ward wohl dies zu viel und er ward nach der ersten Nacht mit dem Kinde nicht mehr gesehen. Die Frau hat sich berathen und wollte es gen Neuhausen auf die Cyriaks-Wiese tragen und wiegen lassen und aus dem Cyriaks-Brunnen ihm zu trinken geben, so mögte es besser mit ihm werden. Denn es war damals Glauben, ein Kind müsse dann nach neun Tagen sich zum Leben oder Tod verändern. Wie nun die Frau bei Westhofen in den Klauer kommt mit dem Kind auf dem Rücken, welches ihr so schwer geworden, daß sie keucht und der Schweis ihr übers Angesicht lauft, begegnet ihr ein fahrender Schüler, der redet sie an:
„ei Frau, was tragt ihr da für ein neckiges Geschöpf, es wäre kein Wunder, wenn es euch den Hals eindrückte vor Hunger.“
Sie antwortete, es wäre ihr liebes Kind, das wollte nicht gedeihen und zunehmen, daher es zu Neuhausen sollte gewogen werden.
Er aber sprach: „das arme Kind, ihr gebt ihm das Falsch Speis, schaut, den Busen wird‘s nicht nehmen, aber trocken Fleisch, am besten vom Lämmchen. Wer war denn der Vater, hat er denn etwas füchsisches an sich und scheint oft Tagzuträumen?“
Die Mutter nickte und sprach: „Die schönsten roten Locken, und die Ohr, etwas spitz und ein gar fein zwirbelig Bart und gar verträumte Äugelein.“
„An einen Sonntag geboren?“
Die Köchin nickte.
„Passt gut auf das Kindlein auf, es mag sonderbar sein und wenn es träumt, im Schlafe reden, selbst so jung. Lasset Euch nicht irren. Doch schauet; in Euer Stuben-Kammer, hinter der Arke, steht ein neue Wiege. Nehmet das Geld in derer, suchet euch einen Mann und ziehet das Kind auf.
Und als die Mutter heimgekommen, fand sie in der Wiege Münzen so schwer wie das Kind gewogen.

So ward es zugetragen, doch, Herr Grimm, das könnet ihr Euer so nicht schreiben. Wie wär’s, wenn es das Kind von den Deufel war und es im Bach ersoffen ist?