Die Kunst 1810

ǁ Szene 1: In einen kleinen Salon, magische Zeichen überall an der Wand, drei abgehalfterte, nun fast unbekannte Musen sitzen an einen Tisch. Ein wässrige Asrai bedient sie. Die Musen sprechen mit griechischen Akzent.

Muse 1: »Meine Holden, hört dies: „Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht; Doch ist mir einst das Heilge, das am Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen, Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt! «

Muse 2: »Schaut…. meiner hat das für mich geschrieben: „Kam die Liebe zum Knaben gegangen. Da die lang Ersehnte nun ihm nahte, Weiß er kaum sein neues Glück zu wagen. Freude, klare Freude gibt ihm alles; In der Freude aber neu Verlangen, Das die Freude oft zu Leide machte. O dies Verlangen Zu kühlen, an den Lippen festzuhängen, bis dass in süßer Lust der Sinn vergangen!“ Ha und es wird jetzt noch besser, er steht auf mich: „Mit lieblichen Lippen. O wie süß ist die Freude, mit der Liebe zu spielen, und eins mit dem andern zu tändeln wie Kinder!“ toller Hecht. Soré, ich nehm noch einen Schnaps, Mädels wenn das so weitergeht sind wir gerettet. «

Muse 3: »Was meint ihr, wann werden Sie über uns ein Gedicht schreiben? Vielleicht ist ein Shakespeare unter ihnen? Damals bei Puck hats auch geklappt, hat gebettelt und gewimmter das er ihn aufnimmt in das Stück. Vom Reik zum Kobold. Soll gar nicht so schlecht sein bei den Träumenden und er lebt immer noch.«

ǁ Eine schwarzhaariger Mann betrifft den Raum und setzt sich zu den Musen.

Mephisto: »Die Damen, wie geht es Euch? Soré, ich schließe mich der Dame an und nehme ein Cognac. Die Franzosen sind gerade eh überall.«

Muse 2: »Morgenstern, was machst du hier? Am liebsten würde ich dein schwarzes Herz fressen, wenn du sowas hast. «

Muse 1: »Lasst uns Mephisto festhalten und ihn die Augen rausreizen oder sein Gemächt abschneiden.«

Muse 3 »Nein ich habe eine bessere Idee, wir ersaufen ihn im Fluss.«

Mephisto: »Ach die Damen, warum so angefressen, seid ihr etwa bald vergessen. Schöne Augen junge Kerle machen, anstößig mit ihn Lachen. Ihr habt’s leicht.  Des Teufelswerk ist heuer schwer, ach ich fühl mich heut so leer. Da hat ich’s doch mit Goethe, seine Seel seit neuesten nicht mehr mir, wie spröde.«

Muse 2, schluchzend: »Nun geht sogar die Hölle zum Teufel. Die Promethaner sind eine wahre Plage. Tugenden, Moralisten ach ihr dummen Wichte, tötetet unwissend Hunderte von uns und warft uns aus der Geschichte. Menschen,  Eure Logen sind unser Untergang. Jetzt haben sie Euch auch noch den Goethe genommen, dabei habt ihr doch Herr Teufel von Faust erzählt. Was wenn man nicht mal mehr sich auf den Teufel verlassen kann, auf wen dann?«

Muse 1: » Meine beste, beruhigt Euch. Der Hunger nagt an Eurer Schar sehr Herr Teufel? «

ǁ Der Asrai schenkt jede und sich selbst einen Cognac ein. Alle prosten sich still zu und trinken.

Mephisto steht auf und zu den Publikum: »Besser hungern als sterben.«

ǁ Vorhang